|
Aus der Geschichte wissen wir nur lückenhaft, wie
unsere Vorfahren es mit Speise-Eis hielten. Die Meinungen hierüber
gehen auseinander. Die einen halten China, die anderen das
Morgenland für die Wiege der Kunst, aus Eis- oder Schneewasser,
Milch, Sahne, Früchten, Naschzeug, Eischaum, Honig, später auch
Rohrzucker etc., den Gaumen schmeichelnde Schöpfungen zu kreieren. Es
ist überliefert, dass am Hofe des Kaisers Nero
die opulenten Mahle ihren Abschluss mit Süßem aus Schnee aus den
Albaner Bergen, Rosenwasser, Honig, Früchten und Baumharz fanden.
Sobald es in den Albaner Bergen keinen Schnee mehr gab, mussten
Reiterstafetten diesen von den Alpen herbeiholen. Auch danach hatten meine Landsleute maßgeblichen Anteil an der
Verbreitung des süßen Geheimnisses in der westlichen Welt. Marco
Polo (1254 –1324), der kühne Entdecker des bei uns damals
unbekannten Chinas, schilderte seinen Mitgefangenen in den Kerkern
Genuas, in denen er 1298-1299 schmachtete, die himmlischen
Eis-Genüsse, die er am Hofe des Groß-Khans genießen durfte. Aber
erst Zucker und die Erfindung der Eismaschine trugen entscheidend
zur Ausbreitung der süßen Eis-Schlemmereien bei. Rohrzucker kam aus
dem Morgenland, erst über die Flotte der Serenissima, der damals
beherrschenden Seemacht Venedig, dann auch über die Kreuzritter. Die
Großtat jedoch war die Entdeckung, dass Wasser mit zugesetztem Salz
tiefere Temperaturen erreicht als Natureis. Damit konnte man in
muskelkraftbetriebenen Trommeleismaschinen (Reverenz an Mark Twain!)
für damalige Verhältnisse allerbestes Eis produzieren. Dieser
Gedankenblitz war zwar nicht so spektakulär wie die Erfindung des
Schießpulvers, dafür für die Menschheit samt umgebender Fauna viel
bekömmlicher. Es sei mir als Italiener erlaubt, in aller Bescheidenheit darauf
hinzuweisen, dass die Kunst der Herstellung von feinsten Eis-Speisen
über das Geschlecht der Medici an den Pariser Hof gelangte. 100
Jahre später war es Procopio de`Coltelli, der aus Palermo kommend,
ausgestattet mit dem gesunden Selbstbewusstsein der ganz frühen
Gastarbeiter, in der Rue des Fosses in Paris
das erste Eis-Café der Welt eröffnete. Und mit welchem Erfolg! Man
könnte vor Neid erblassen. Es waren allerdings der amerikanische Erfinder Kelvin und sein
deutscher Kollege Linde, die Ende des 19 Jahrhunderts den Schritt
von der manuellen zur maschinellen Herstellung von Speise-Eis
möglich machten. Das Ergebnis dieser weltumspannenden Zusammenarbeit
ist die Tatsache, dass heute fast jeder Normalsterbliche sich
Genüsse erlauben kann, die früher nur gekrönten Häuptern vorbehalten
waren. Man sage mir nicht, es gäbe keinen Fortschritt! in diesem
Sinne, wohl bekomm´s, |